An einem herbstlichen Wochenende im Oktober kam die erst Anfang 2026 gegründete Landesjugendkantorei zu ihrer dritten Arbeitsphase zusammen. Ich durfte mich sehr darüber freuen, zum ersten Mal dabei zu sein. Ein großes Glück war es, dass auch noch einige neue Tenöre zu uns stießen, wodurch wir nun erstmals sehr ausbalanciert in den vier Stimmen von Sopran bis Bass besetzt waren.
Von Freitag bis Sonntag erarbeiteten wir ein wunderbares Repertoire aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen – von klassischer Chorliteratur bis hin zu Gospel und Jazz. Der Hauptfokus lag auf der über 20 Minuten langen Motette „Jesu, meine Freude“ von J. S. Bach. Wie schon bei den letzten Arbeitsphasen wurde von Anfang an großer Wert auf eine hohe musikalische Ausgestaltung und Interpretation gelegt, was das Musizieren an diesem Wochenende dauerhaft begleiten sollte. Für mich – und ich denke, auch für alle anderen – ist dieses hohe Niveau einer der Punkte, der dieses Ensemble ausmacht. Ermöglicht wird dies auch durch das hohe Maß an Vertrauen, das sowohl unter uns Chormitgliedern als auch zum Leitungsteam spürbar ist.
Stets gefordert und gefördert durch unseren Dirigenten Johannes Eppelein vergingen die Proben wie im Flug. Unterstützt wurde er von Corinne Achermann, die uns in der Einzelstimmbildung und beim Einsingen wertvolle individuelle Hilfestellungen gab. Das dritte Teammitglied Christiane Thamm übernahm immer wieder Stimmproben, um mit uns die doch sehr anspruchsvollen Koloraturen und Fugen aus Bachs Motette nachzuschleifen und auf den Punkt zu bringen. Einige Sätze aus „Jesu, meine Freude” wurden von kleineren Ensembles aus unseren Reihen, zum Teil sogar solistisch, übernommen, was für sehr abwechslungsreiche Klangfarben und tolle Kontraste im Konzert sorgte. Bei Stücken wie „Lullaby” von Daniel Elder oder „Jubilate Deo” von Peter Angela übernahm Christiane Thamm auch die einfühlsame Klavierbegleitung.
Abgesehen von den Proben, die uns sicher die meiste Zeit dieses Wochenendes beschäftigten, kam aber auch das Miteinander nicht zu kurz.
In den abendlichen von Christiane Thamm angeleiteten Spielen lernten wir uns besser kennen, verrieten z.B. unbekannte Hobbys und konnten so schnell die unglaubliche Vielfalt an Talenten unseres Chores feststellen. Am zweiten Abend bildeten gemeinsam getanzte Volkstänze den spaßigen Tagesabschluss, ehe der Abend mit einer ausgelassenen Standardtanzrunde und der obligatorischen Kartenspielrunde in die Verlängerung ging. Was mir an diesem intensiven Wochenende schnell klar wurde, ist, wie schön unsere Gemeinschaft funktioniert – nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch zwischenmenschlich.
Am Sonntag ging es dann zeitig in die Kirche, um bei der Generalprobe sowohl die Akustik als auch die verschiedenen Choraufstellungen zu
erproben und die letzten Schliffe und Feinarbeiten am Konzertprogramm vorzunehmen. Voller Vorfreude gingen wir in die Mittagspause, um nochmals Kräfte zu tanken.
Mit den Worten „Jauchzet dem Herrn“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys op. 69 Nr. 2 tauchten wir mit Euphorie in unser Abschlusskonzert um 16 Uhr vor der gut besetzten Kirche ein – eine Stunde voller unglaublicher Klangwelten und Freude am Singen. Neben un
s war im Konzert auch Landeskirchenmusikdirektorin Ekaterina Porizko beteiligt. Sie spielte an zwei Stellen im Konzert stimmungsvolle Klavierstücke, z.B. Auszüge aus Mendelssohns „Liedern ohne Worte“. Im Zentrum des Konzerts stand dann unser Hauptwerk der Arbeitsphase: Die Motette „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach: Ein großer Spannungsbogen mit großartigen solistischen Leistungen und turbulenten Fugen, die uns am Ende doch zu den Ausgangsworten zurückbrachten. Nach Duruflés bezauberndem „Ubi Caritas“ folgten zwei Stücke, die wir auswendig sangen, und ein wilder Ritt durch Steve Dobrogosz‘ „Kyrie“, welches im Publikum viel Begeisterung auslöste. Mit „My Soul waits in Silence“, einer Gospel-Nummer von Matthias Nagel, welch
e den Psalm 62 vertont, groovten wir voller Energie in den Schlussapplaus mit Standing Ovations. Das Konzert war ein absolut berauschendes Erlebnis und ein unglaublicher Abschluss für dieses schöne und intensive Wochenende, das leider irgendwann ein Ende nehmen musste. Um dieses noch etwas hinauszuzögern, sangen wir als Zugabe „Lullaby“ von Daniel Elder, was bei dem einen oder anderen für Gänsehaut und ein paar Tränen sorgte.
Zu guter Letzt hieß es jedoch: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Nun freuen wir uns alle schon sehr auf die nächste Arbeitsphase im Januar in Bayreuth!
Schon heute herzliche Einladung zu unserem Konzert am Sonntag, 24. Januar 2027 um 15 Uhr in der Stadtkirche Bayreuth.
Emma Lehn, Mitglied der Landesjugendkantorei
PS: Interessierte zwischen 15 und 25 sind weiterhin eingeladen, sich für die Landesjugendkantorei zu bewerben (Infos und Anmeldung)