Kinderchöre der Singschulen St. Paul und Heilig Geist in Fürth

Die Bedingungen waren günstig, als die Kirchengemeinde St. Paul in Fürth und ich vor 10 Jahren begannen, eine früher schon einmal sehr lebendige Kinderchorarbeit wiederzubeleben.

Die Kirchengemeinde hat zwei Kindergärten und einen Schülerhort in ihrer Trägerschaft. Somit war klar, dass es unerlässlich ist, Synergieeffekte zu nutzen und alle von der Idee profitieren zu lassen. Gemeinsam mit den Kindertageseinrichtungen beschlossen wir, in den Einrichtungen wöchentliche Musikstunden stattfinden zu lassen – und zwar für alle Kinder, unabhängig von Konfession, Einkommensverhältnissen und Herkunft. Schnell wurde sichtbar, dass die Sprachentwicklung der Kinder durch die Musik unterstützt werden konnte und die Musik in den Einrichtungen neu auflebte.

Im Schülerhort wurden die Räumlichkeiten schon recht bald zu klein wurden und wir verlegten kurzerhand die Proben in die Räume des Gemeindehauses. So öffneten wir die nachmittägliche Veranstaltung für Kinder und Familien aus dem ganzen Stadtgebiet. Es sprach sich herum, dass im Gemeindehaus St. Paul am Montagnachmittag gesungen wird.

Es wurde klar: das Konzept trägt. Gemeindeeigene Kindertageseinrichtungen und Gemeinde brauchen ein Bindeglied, um sich gegenseitig besser wahrzunehmen und wertzuschätzen.

Inzwischen besteht außerdem eine gelungene Kooperation mit der OGS der evangelischen Luise-Leikam-Grundschule. Die Kinder werden von einer verantwortlichen Person zur Chorprobe gebracht und wieder mit zurück zur Schule genommen. Die OGS kann damit ihr Angebot erweitern und die Kinder bzw. die Familien finden Anbindung zur Kirchengemeinde. Und das alles im Hinblick der musikalischen Bildung.

Die Chorproben finden in zwei bis drei Gruppen statt. In der ersten Gruppe singen Kinder ab dem Grundschulalter (in Ausnahmefällen auch Vorschulkinder, meist Geschwisterkinder) bis etwa zur 3. bis 4. Klasse.

Die zweite Gruppe wird von Kindern ab der 4./5. Klasse besucht. Der größte Unterschied besteht eigentlich darin, dass die älteren Kinder alle mit Noten singen dürfen und können. Die jüngeren Kinder erlernen alle Lieder ohne Noten, rein nach Gehör. Wenn die Sängerinnen und Sänger dann ihr erstes Notenblatt in der Hand halten und anfangen die Lieder damit zu lernen sind sie stolz, weil sie etwas Neues lernen dürfen.

Beide Gruppen singen mehrstimmig. Die jüngeren Kinder werden an Kanons, Quodlibets und leichte Zweistimmigkeit herangeführt, die älteren singen zwei bis dreistimmige Chorstücke in deutscher, englischer oder auch mal französischer Sprache.

Je nach Teilnehmerzahl und Motivation der Schülerinnen und Schüler besteht die Möglichkeit, im Anschluss an die Probe im Jugendensemble mitzusingen. Hier wird ausschließlich mehrstimmig gesungen und die Stimmbildung wird intensiviert.

Dass die Singschule St. Paul eine Strahlkraft ins gesamte Stadtgebiet hinein besitzt, wurde spätestens dann deutlich, als die Kirchengemeinde Heilig-Geist auf der Hardhöhe in Fürth anfragte, ob ich das Konzept nicht auch dort umsetzen könne.

Im September 2022 begann ich in der Kirchengemeinde Heilig-Geist, die wie die Kirchengemeinde St. Paul zwei Kindertagesstätten und einen Schülerhort in ihrer Trägerschaft hat, wöchentlich in den Kindergärten zu singen und nachmittags, zunächst eine Chorprobe in der Kirche anzubieten.

Es dauerte nicht lange, bis sich das Angebot unter den Familien herumsprach. Auf eine Besonderheit konnten wir individuell reagieren: die Anfrage von Kindergartenfamilien für die Chorprobe am Nachmittag war so groß, dass ich kurzerhand eine weitere Probe für Kinder anbieten konnte, die noch nicht in die Schule gehen. Hier gestaltet sich die Probenarbeit also etwas anders als in St. Paul.

In der Singschule Heilig-Geist singen donnerstags erstmal Kinder im Kindergartenalter und aus den ersten beiden Grundschulklassen. Ab der dritten Klasse wechseln die Kinder dann in die Gruppe mit den älteren Sängerinnen und Sängern. Das ließ sich bis zum letzten Jahr gut umsetzen und halten. Dann wurde aber deutlich, dass man hier reagieren musste, um die Ältesten der Sängerinnen (nur Mädchen) zu halten und weiterhin zu motivieren. Es handelte sich hier um Kinder, die großteils seit Gründung der Singschule mitsangen. Es wurde ein neues Ensemble gegründet: ein Mädchen-Pop-Ensemble. Eine Gruppe mit Profil, das die Sängerinnen bei ihren Hörgewohnheiten abholt und sie befähigt, die sonst konsumierte Musik mit ihren eigenen Stimmen selbst zu gestalten. Glücklicherweise sind die Mädchen sehr motiviert. Sie proben weiterhin in der bekannten Chorgruppe und bleiben im Anschluss länger für die Ensembleprobe.

Die Arbeit mit zwei Singschulen im Stadtgebiet hat für mich den großen Vorteil, dass es leicht ist, Kooperationen zu nutzen und bei Bedarf aus zwei Singschulen einen großen Chor aufzustellen. Die Wege im Stadtgebiet sind für alle Beteiligten machbar und die Verbindlichkeit ist relativ hoch. Außerdem finde ich es gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig, den Kindern und Familien zu ermöglichen, sich über die Kiezgrenzen hinweg als evangelische Gemeinschaft wahrzunehmen. In unserem Falle: lebendig und singend! Ich bin sehr dankbar für diese verantwortungsvolle Aufgabe in wunderbaren Teams.

Sarah Buchdrucker